Methodik

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Neue Ansätze bei der Generhaltung

Aufgrund des besseren Verständnisses der Anpassungs- und Selbsterhaltungsmechanismen von Arten und aufgrund des prognostizierten Klimawandels liegt heute der Fokus auf dynamischer Generhaltung (populationsbiologischer Prozessschutz) und grossräumiger Koordination (Gesamtverbreitung). Ideale dynamische Generhaltungsgebiete erfüllen insbesondere drei Leistungen:

  • Generhaltung
    Repräsentation des Genpools einer Kernpopulation oder einer besonderen Teilpopulation einer Zielart
  • Pufferung von Umweltveränderungen
    Anpassungspotenzial aufgrund von Populationsgrösse und genetischer Diversität sowie Ausweichpotenzial aufgrund von Gebietsgrösse und standörtlicher Bandbreite (z.B. Höhe ü.M.)
  • Koordination von Monitoring, Forschung, Erhaltung
    Beobachtungsnetz von Generhaltungsgebieten für jede Zielart und ggf. koordinierte Erhaltungsmassnahmen (in situ, bei Bedarf auch ex situ, z.B. assisted geneflow, assisted migration)

Um bei der paneuropäischen Datengrundlage partizipieren zu können (EUFGIS), werden auch in der Schweiz dynamische Generhaltungsgebiete ausgeschieden. In der Schweiz gilt ein pragmatisches Vorgehen, das die Nutzung der Synergie mit Waldreservaten vorsieht. Viele Waldreservate erbringen bereits wertvolle Generhaltungsleistungen, ohne dass diese als solche ausgewiesen sind. Die Evaluation der Eignung bestehender Waldreservate und die Etablierung prioritärer Generhaltungsgebiete erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen. Gesicherte Generhaltungsgebiete werden im nationalen Generhaltungsgebiete-Kataster erfasst. Massnahmen zur Erhaltung und Förderung von Zielbaumarten in Waldreservaten können über bestehende Leistungsindikatoren der NFA-Programme im Bereich Waldbiodiversität unterstützt werden.

Übersichtskarten der Waldreservate (links, grün, Stand 2014) und Aueninventargebiete (rechts, blau, Stand 2007) der Schweiz, überzeichnet

Vom Waldreservat zum Generhaltungsgebiet

Für die Evaluation und Etablierung von Generhaltungsgebieten wurde ein einfaches Verfahren basierend auf der Mitwirkung der Kantone entwickelt. Das Verfahren umfasst den gesamten Prozess von der Aufbereitung der Datengrundlage bis zum Eintrag in den nationalen Generhaltungsgebiete-Kataster. Das Verfahren hat sich bewährt und wird als Mechanismus für die Evaluation und Etablierung von Generhaltungsgebieten weiter verwendet. In Anlehnung an das Projekt-Akronym FGR-GCU (forest genetic ressources – gene conservation units) werden die Schritte kurz GCU1 bis GCU4 genannt. Vereinbarte Generhaltungsgebiete werden mit dem Kataster-Eintrag auch in EUFGIS erfasst. Das Projekt berät die Kantone bei der Umsetzung.

Schritt

Abk

Arbeiten

Akteure

Grundlagen

BA/WR

Dossier zu Baumarten

Datenbank zu Waldreservaten

Projekt, Fachausschuss

Evaluation

GCU1

Umfrage zur Vorevaluation möglicher geeigneter Waldreservate

Kantone

Priorisierung

GCU2

Auswahl (Varianten) aufgrund nationaler Perspektive und Eignungskriterien

Projekt, Fachausschuss

Vernehmlassung

GCU3

Umfrage zur Vernehmlassung prioritärer Generhaltungsgebiete

Kantone

Sicherung

GCU4

Meldung unbestrittener prioritärer Generhaltungsgebiete

Kantone, BAFU

Kataster-Eintrag

 

Dateneingabe zu vereinbarten Generhaltungsgebieten (nationales Kataster und EUFGIS)

Projekt

Dokumentation aller Schritte unter Download

Erfahrungen aus dem Pilotprojekt

Das Pilotprojekt zeigte anhand von sieben exemplarisch ausgewählten Baumarten, dass die Nutzung der Generhaltungsleistungen bestehender Waldreservate durchaus zweckmässig ist. Von 88 Teilpopulationen der sieben Pilotbaumarten, die aus nationaler Sicht abzudecken wären, werden 60 durch bestehende Waldreservate repräsentiert. Eine Abdeckung von 68% ist angesichts der breiten Artenpalette, inkl. seltener Nebenbaumarten, beachtlich. 28 weitere Waldreservate wären für eine optimale Abdeckung aller sieben Beispielarten wünschbar. Fünf dieser Lücken betreffen die Zielbaumart Populus nigra und fallen in Auengebiete von nationaler Bedeutung, die nicht als Waldreservate ausgewiesen sind. Diese und zehn weitere Lücken könnten durch Waldreservate abgedeckt werden.

Zur Abschätzung der Eignung von Waldreservaten als Generhaltungsgebiete wurden national verfügbare Daten und gutachtliche Einschätzungen betreffend der Zielbaumarten zusammengestellt. Aus allen Kriterien konnten sieben Indikatoren zur Eignung und Priorisierung von Waldreservaten abgeleitet werden. Die Zusammenarbeit mit den Kantonen bei der Evaluation und Auswahl von Waldreservaten als Generhaltungsgebiete hat sich bewährt (GCU-Mechanismus).

Während durch das pragmatische Vorgehen bisher zügig Ergebnisse bei der Etablierung von Generhaltungsgebieten erzielt wurden, blieben einige methodische Fragen zur Umsetzung vorerst offen. Lösungsvarianten dazu liegen vor. Ihre Klärung erfolgt im weiteren Projektverlauf situationsbezogen anhand der konkreten Beispiele vereinbarter Generhaltungsgebiete und ihren Anforderungen. Dabei werden Kantone und Fachausschuss des Projektes einbezogen. Entwickelte Standards fliessen in NFA-Handbuch und Vollzugshilfe ein.

Beispiele von Übersichtskarten prioritärer Generhaltungsgebiete in Waldreservaten für unterschiedliche Zielbaumarten: Abies alba (links, gute Abdeckung durch Waldreservate) und Sorbus torminalis (rechts, geringe Abedeckung durch Waldreservate), jeweils mit Markierung nicht abgedeckter wesentlicher Teilpopulationen der Zielbaumart (Lücken, rosa Kreise) 

 
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Tue May 23 01:16:04 CEST 2017
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